Donnerstag, 15. Oktober 2020

Free Motion Quilting


Eigentlich hätten am vergangenen Wochenende die Kultüren stattgefunden. Ich hätte mit all den Ladies der MunichModernQuilter die Ausstellung vorbereitet, ein Programm überlegt, Ausstellungsquilts festgelegt, eine Probe zum Aufhängen in der Stephanuskirche gemacht und schließlich am Ausstellungssamstag die Türen der Kirche geöffnet und uns über viele Besucher gefreut. Wir hätten viele Gespräche geführt, gefachsimpelt und Techniken gezeigt. Ja, das alles hätte so sein können.

Es ist aber gerade nicht so und ich denke, wir alle sind froh, dass bei den jetzt so dramatisch steigenden Ansteckungszahlen, die Kultüren eben nicht statt gefunden haben. Kein Quilt, kein Kunstwerk wäre es wert gewesen, angeschaut zu werden, wenn sich jemand dabei angesteckt und krank geworden wäre. Ich will hier, vielleicht auch einfach um mich zu positionieren, erklären, dass ich überzeugte Maskenträgerin und Abstandhalterin bin und ja, ich wasche auch noch immer meine Hände sehr sehr gründlich, wenn ich nach Haus oder zurück ins Büro komme. Wenn doch erwiesenermaßen diese drei Dinge dabei helfen, die Pandemie einzudämmen und damit Leben zu retten, was um Himmels willen, spricht denn dagegen? Was für eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem, was alles gerade passiert und noch passieren kann.

Es ist nicht verwunderlich, dass ich zur Zeit ziemlich viel nähe (und auch stricke). Das Wetter ist oft danach und die Zeit habe ich nun auch. Ich glaube, es sind bereits drei Quilts, die ich in diesem Jahr genäht habe und drei Projekte liegen auf meinem Nähtisch und wollen erst noch fertig gestellt werden. Immer noch bin ich dabei aus meinem Vorrat zu nähen, und der letzte Quilt ist fast ausschließlich aus Stoffen, die ich vor 5 oder sogar 10 Jahren gekauft habe. In der letzten Woche habe ich dieses Schätzchen dann gequiltet und ein Video dazu gemacht. Denn während der Kultüren werde ich immer wieder gefragt, wie denn nun Free Motion Quilting funktioniert und ich erkläre das immer gern und führe es auch vor. Immer gebe ich den Rat "Probier es doch einfach, trau dich!" Und das ist auch das ganze Geheimnis daran. Man muss es ausprobieren. Vielleicht nicht gleich an einem großen Quilt. Besser erst einmal in Gedanken, dann an einem Probestück und dann an einem Kissen. Wenn man dann seinen Flow gefunden hat und sich damit sicher fühlt, kann man sich an einen Quilt machen. Vielleicht hilft mein Video oder dieser Post, dass sich jemand traut und es einfach ausprobiert.

Das gute ist, diese Quiltmethode verzeiht so viel! Anders als bei Straightlines, bei denen man immer aufpassen muss, dass man gut vorsteckt oder klebt, sich immer wieder vergewissern muss, dass man keine Falten produziert und vielleicht beim sich kreuzen der Straightlines kleine Fältchen unvermeidbar sind (vor allem, wenn man keinen Fuß mit Oberstoff-Transporteur hat), sind kleine Verschiebungen beim Freemotion Quilting nicht so schlimm. Besser noch, sie fallen oftmals nicht einmal auf oder verschwinden mit dem ersten Waschen sogar ganz. 

Allerdings ist es auch wichtig, dass man mit sich selbst nicht allzu streng ist. Was wir als Quilterinnen sehen, fällt anderen gar nicht auf. Denn niemand verfolgt die genähten Linien mit den Augen und sucht nach einer Stelle, die vielleicht nicht so perfekt ist. Aus der Ferne betrachtet entfaltet der Quilt seine gesamte Schönheit, und darauf kommt es an!

Bevor ich aber beginne, muss die Nähmaschine entsprechend eingestellt sein. Ich nehme meinen Stickfuss und muss den Stofftransport versenken. Die Stichlänge stelle ich auf "0". Manche Maschinen haben ja eine Einstellung für gleichmäßige Stichlängen, meine hat das allerdings nicht. Ich quilte lieber kleinere Stiche als zu große. Besonders in Kurven zahlt sich das aus, denn ich bin dabei sicherer, dass die Maschine keinen Stich auslässt oder den Unterfaden zu eng spannt.

Mein Lieblings-Free Motion Muster sieht so aus: (Es gibt natürlich noch viele andere Möglichkeiten mit Rundungen, Schleifen, Ecken und so weiter, und so weiter …)


Ich beginne damit am Rand des Quilts und arbeite mich in Reihen bis zum anderen Rand vor. Die Blöcke oder Reihen helfen mir bei der Orientierung. Wenn die Reihen nicht gut sichtbar sind, muss man etwas improvisieren und genauer schauen, dass man in der Reihe bleibt. Natürlich kann dein (und wird wahrscheinlich sogar) mehr als nur vier Reihen haben. Das Prinzip ist aber, sich von der Mitte nach links bzw. dann nach rechts außen vorzuarbeiten. Hier sieht man, wie ich mir die Arbeit aufteile:


Mal angenommen, der Quilt besteht aus 4 Blockreihen, beginne ich von der Mitte aus (Reihe 1) und quilte in Längsrichtung nach unten. In der Längsrichtung deshalb, weil dann nicht zu viel des gesteckten Quilts eingerollt und durch die Maschine geschoben werden muss. Es ist schon so ein kleiner Kraftakt. Ich habe den gesteckten Quilt dabei auf dem Schoß liegen. Ich habe aber auch schon gesehen, dass man sich den Quilt wie einen eingerollten Teppich über die Schulter legen kann. Hier muss man einfach ausprobieren, was einem am besten gefällt. Die erste Reihe ist für mich immer die schwierigste. Je weiter man nach außen kommt, und je mehr Fläche schon gequiltet ist, um so besser gelingt es. (Dass die erste Reihe im meinen Augen nicht so toll ist, sieht allerdings wie schon gesagt am fertigen Quilt am Ende niemand!)

Noch ein paar Tipps:
1. Beginne mit einem Probestück um die Fadenspannung zu kontrollieren und in den Flow zu kommen.
2. Räume deinen Tisch frei. Du brauchst den Platz für den Quilt. Außerdem wandern die Gegenstände durch die Vibrationen des quiltens unweigerlich zum Tischrand und fallen irgendwann herunter.
3. Nimm dir Zeit, du musst nicht den ganzen Quilt an einem Tag quilten.
4. Mach mal eine Pause, meistens werden danach die Rundungen runder und das Ergebnis schöner.
5. Überprüfe zwischendurch immer mal wieder, ob auch die Rückseite schön aussieht und sich nicht etwa der Unterfaden zusammenzieht.
6. Stelle die Maschine so ein, dass du mit versenkter Nadel endest. So verschiebt sich nichts, wenn du umgreifen musst oder eine neue Spule brauchst. 

Der Post ist länger geworden als gedacht und ich habe bestimmt etwas vergessen oder nicht ausreichend erklärt. Weitere Fragen beantworte ich gern. jetzt hoffe ich erst einmal, dass mein Post Mut macht! Viel Spaß beim ausprobieren!

Kommentare:

  1. Liebe Dorothee, klar muss auch die Quiltausstellung ausfallen - auch wenn ich, wir alle, das sehr bedauern. Jedesmal sind eure Quilts eine Augenweide und immer eine höchst willkommende Inspiration. Mit deinem heutigen Post über FMQ willst du wohl auf andere Weise motivieren und das kommt bei mir gut an. Denn Freihandquilten ist wirklich eine Hemmschwelle. Deine Tipps sind interessant, besonders der Hinweis auf den Unterfaden, der sich zu eng spannt und den Oberfaden deshalb viel zu weit "zieht" - das passiert bei mir oft (ich will einfach zu schnell und dadurch mit zu großen Stichen um die Kurve), ich werde also die Sache jetzt mal überdenken und daran arbeiten, das zu verhindern.
    Ganz liebe Grüße eSTe

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  2. Liebe Dorothee,
    durch dich habe ich das Stippling gelernt! Und wie cool, dass du das hier noch mal so ausfgührlich erklärst. Den Blogpost werde ich zu meiner Liste geben, die ich für Kunden parat halte, wenn sie nach Free Motion Quilting fragen!!!!
    Das mit den Kultüren ist so extrem schade... zumal in der Kirche ja der Abstand hätte gewart werden können und für ausreichend Lüftung gesorgt wäre. Aber da das ja eine Große Stastteil Veranstaltung ist, kann man da keine Extrawurst braten. Hoffentlich nächstes Jahr dann wieder und dann komme ich euch besuchen!
    Dicke Umarmung und bleib gesund!
    Andrea

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